{"id":82,"date":"2019-03-10T15:42:38","date_gmt":"2019-03-10T14:42:38","guid":{"rendered":"http:\/\/whataboutblog.de\/?p=82"},"modified":"2019-12-12T17:03:38","modified_gmt":"2019-12-12T16:03:38","slug":"gendersprache-haengen-grammatisches-und-biologisches-geschlecht-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/whataboutblog.de\/?p=82","title":{"rendered":"&#8230;&#8220;Gendersprache&#8220; &#8211; H\u00e4ngen grammatisches und biologisches Geschlecht zusammen?"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Muss die deutsche Sprache gendergerechter werden?&#8220; Diese Diskussion kursiert uns nun schon seit einigen Jahren, und genauso lange stehen sich (wie in jeder derartigen Diskussion) die Hardliner auf der einen wie auf der anderen Seite scheinbar unvers\u00f6hnlich gegen. Alle sehen sich im Recht und f\u00fchren zu ihrer Unterst\u00fctzung die unterschiedlichsten Begr\u00fcndungen an. Die neueste Argumentationskette der Gegner einer Anpassung der deutschen Sprache bezieht sich auf den &#8211; in ihren Augen nicht vorhandenen &#8211; Zusammenhang zwischen dem grammatischen Geschlecht eines Wortes und dem biologischen Geschlecht des Bezugsindividuums. Auf dieses Argument m\u00f6chte ich mit diesem Beitrag eingehen und meinen Standpunkt erl\u00e4utern. Spoiler: Meiner Meinung nach gibt es diesen Zusammenhang!<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Jahr hat sich ein ausgewiesener Fachmann f\u00fcr die deutsche Sprache, der emeritierte Prof. Dr. Peter Eisenberg in der Diskussion mehrfach zu Wort gemeldet, f\u00fcr mich am eindrucksvollsten in einem <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Artikel f\u00fcr den Tagesspiegel (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/debatte-um-den-gender-stern-finger-weg-vom-generischen-maskulinum\/22881808.html\" target=\"_blank\">Artikel f\u00fcr den Tagesspiegel mit dem Titel <\/a><em><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Artikel f\u00fcr den Tagesspiegel (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wissen\/debatte-um-den-gender-stern-finger-weg-vom-generischen-maskulinum\/22881808.html\" target=\"_blank\">&#8222;Finger weg vom generischen Maskulinum!&#8220;<\/a><\/em> Keine Sorge: Der Inhalt des Aufsatzes ist weniger polemisch als die \u00dcberschrift, vielmehr spricht sich Prof. em. Dr. Eisenberg mehrfach daf\u00fcr aus, dass wir <em>&#8222;unsere Sensibilit\u00e4t f\u00fcr offene und besonders f\u00fcr versteckte sprachliche Diskriminierung von Frauen [und Geschlechteridentit\u00e4ten jenseits des bin\u00e4ren Systems] weiter sch\u00e4rfen&#8220;<\/em>. Hieraus sollte deutlich erkennbar sein, dass es sich bei dem Akademiker im Ruhestand keineswegs um einen engstirnigen Mann handelt. Seine Argumentation halte ich jedoch f\u00fcr unzureichend. Er schreibt in seinem Beitrag:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p> &#8222;Ein Wort wie <strong>Lehrer<\/strong> hat genau zwei Bausteine, n\u00e4mlich den Verbstamm <strong>lehr<\/strong>  und das Substantivierungssuffix <strong>er<\/strong>, das zu Bezeichnungen von Personen  f\u00fchrt, die das tun, was der Verbstamm besagt.&#8220; (Hervorhebungen von mir)<\/p><cite>Quelle: siehe oben verlinkter Artikel <em>&#8222;Finger weg vom generischen Maskulinum!&#8220;<\/em><\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Soweit stimme ich zu, diese Wortbildungstheorie ist essenzieller Bestandteil des liguistischen Studiums. Prof. Dr. Eisenberg argumentiert weiter, dass es zahlreiche Ableitungen des Wortes &#8222;Lehrer&#8220; gibt, die alle geschlechtsneutral sind (Beispiele von mir: &#8222;Lehrerzimmer&#8220;, &#8222;Lehrerausbildung&#8220;). Hieraus schlussfolgert er, dass das Wort &#8222;Lehrer&#8220; grunds\u00e4tzlich ungeschlechtlich ist &#8211; also neben dem grammatischen Geschlecht, dem <strong>Genus<\/strong>, kein biologisches Geschlecht, also kein <strong>Sexus <\/strong>besitzt. Das ist die traditionelle Begr\u00fcndung f\u00fcr die Existenz des <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Generisches_Maskulinum\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"generischen Maskulinums (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">generischen Maskulinums<\/a><\/strong>: Das Anh\u00e4ngen von &#8222;-er&#8220; an einen Verbstamm macht daraus eine ungeschlechtliche Gruppenbezeichnung und gibt keinen Hinweis auf das Sexus.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese  Argumentation ist in meinen Augen jedoch unzureichend. Nat\u00fcrlich muss man klar  unterscheiden zwischen dem grammatischen Geschlecht (Genus) eines Wortes  und dem biologischen Geschlecht (Sexus) oder Gender <em>[Anm.: Ich bin mir bewusst, dass zwischen biologischem Geschlecht und Gender ein Bedeutungsunterschied besteht, siehe <\/em><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Erkl\u00e4rvideo &quot;Geschlecht und Gender&quot; auf der Twitter-Seite der tagesschau (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/twitter.com\/tagesschau\/status\/1073645080647471105\" target=\"_blank\"><em>Erkl\u00e4rvideo &#8222;Geschlecht und Gender&#8220; auf der Twitter-Seite der tagesschau<\/em><\/a><em>; dennoch wird der Begriff in der Diskussion synonym verwendet.<\/em>] . Und um es direkt ganz deutlich zu sagen: Die aktuelle Debatte dreht sich um generisch maskuline Begriffe wie &#8222;Kunde&#8220; als Sammelbegriff f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen, <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"wogegen sich die Frauenrechtlerin marlies Kr\u00e4mer zurzeit juristisch zur Wehr setzt (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/saarland\/saarbruecken\/sulzbach\/marlies-kraemer-kaempft-weiter-fuer-frauenrechte-in-der-sprache_aid-37308801\" target=\"_blank\">wogegen sich die Frauenrechtlerin Marlies Kr\u00e4mer zurzeit juristisch zur Wehr setzt,<\/a> und eben nicht um Bezeichnungen wie &#8222;DIE Bank&#8220; oder &#8222;DER Schl\u00fcssel&#8220;, die ohnehin kein Sexus besitzen! Es geht um Begriffe, die einen Menschen n\u00e4her beschreiben, wie bspw. die Berufsbezeichnungen &#8222;<strong>DER<\/strong> Lehrer&#8220; und &#8222;<strong>DIE<\/strong> Lehrerin&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">1. Die semantische Komponente<\/h4>\n\n\n\n<p>Bleiben wir bei dem von Herrn Eisenberg gew\u00e4hlten Beispiel &#8222;Lehrer&#8220;. Es setzt sich also zusammen aus dem Verbstamm &#8222;<em>lehr-<\/em>&#8220; und dem  Nominalisierungssuffix &#8222;<em>-er<\/em>&#8220; . <strong>Erste Auff\u00e4lligkeit: Das graphemisch, phonologisch und morphologisch gleiche Wort ist auch die Bezeichnung f\u00fcr einen Mann, der der Lehrberuf aus\u00fcbt. &#8222;Lehrer&#8220; kann folglich auch ein Individuum mit dem Sexus &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; bezeichnen.<\/strong> Es ist somit semantisch  zumindest  uneindeutig. Beispiel:<br><br> <em><strong>(1) Alle Lehrer sind heute beim Sportfest.<\/strong><\/em><br><br>Dieser Satz wird in der Regel so verstanden, dass alle Lehrkr\u00e4fte sich beim Sportfest befinden. Der Sinn des Satzes wird aber deutlich ver\u00e4ndert, wenn ein einschr\u00e4nkender Nachsatz folgt:  <br><br><em><strong>(2) Alle Lehrer sind heute beim Sportfest, die Lehrerinnen sind in der Schule geblieben. <\/strong><\/em> <br><br>Nun wird unter dem Wort &#8222;Lehrer&#8220; nicht mehr das Kollegium im  Gesamten verstanden, sondern ausschlie\u00dflich die m\u00e4nnlichen Lehrkr\u00e4fte. Folglich ist Satz (1) semantisch uneindeutig, denn es erschlie\u00dft sich nicht, ob alle Lehrkr\u00e4fte oder nur die m\u00e4nnlichen gemeint sind. (Das  w\u00e4re \u00fcbrigens ein Argument F\u00dcR gendergerechte Sprachanpassungen!)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">2. Die Suffigierung mit <em>-in<\/em><\/h4>\n\n\n\n<p>In der deutschen Sprache gibt es Wortendungen, die einem Nomen ein Sexus zuweisen (&#8222;movierende Suffixe&#8220;).<sup class='footnote'><a href='#marker-82-1' id='markerref-82-1' onclick='return footnotation_show(82)'>1<\/a><\/sup> Das h\u00e4ufigste movierende Suffix ist &#8222;<em>-in<\/em>&#8220; , welches, der Logik von Herrn Eisenberg folgend, an das Nominalisierungssuffix angeh\u00e4ngt wird, um dem bezeichneten Individuum das Sexus &#8222;weiblich&#8220; zuzuweisen (damit \u00e4ndert sich dann auch das grammatische Geschlecht, also das Genus von maskulin <em>der<\/em> zu feminin <em>die<\/em>).  <strong>Das ist erstaunlich, denn das bedeutet, dass man f\u00fcr die Bezeichnung eines weiblichen Individuums, welches einer T\u00e4tigkeit nachgeht, einen gesonderten Wortbestandteil ben\u00f6tigt, um es in eine weibliche Form zu \u00fcberf\u00fchren &#8211; bei der Bezeichnung eines m\u00e4nnlichen Individuums jedoch nicht! <\/strong> <br>Das wiederum kann folgende Begr\u00fcndungen haben:  <\/p>\n\n\n\n<p>a) Entweder ben\u00f6tigt ein Wort, das einem Individuum das  Sexus &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; zuweisen soll, kein movierendes Suffix, weil dieses bereits durch das Nominalisierungsuffix &#8222;<em>-er<\/em>&#8220; zugewiesen wird. Damit h\u00e4tte das Suffix &#8222;<em>-er<\/em>&#8220; eine Doppelfunktion (nominalisieren + movieren)!<br>b) Oder ein Wort f\u00fcr ein m\u00e4nnliches Individuum ben\u00f6tigt \u00fcberhaupt kein movierendes Suffix, weil dieses nur als Leerstelle existiert. <br>Ein  Wortbildungsschema f\u00fcr &#8222;Lehrer&#8220; w\u00e4re dann &#8222;<em>lehr-<\/em>&#8220; (Verbstamm) + &#8222;-<em>er<\/em>&#8220;  (Nominalisierungssuffix) + &#8222;<em>_<\/em>&#8220; (Leerstelle als m\u00e4nnlich-movierendes Suffix); ein  Wortbildungsschema f\u00fcr &#8222;Lehrerin&#8220; w\u00e4re folglich &#8222;<em>lehr<\/em>&#8220; (Verbstamm) + &#8222;-<em>er<\/em>&#8220;  (Nominalisierungssuffix) + &#8222;<em>-in-<\/em>&#8220; (weiblich-movierendes Suffix ).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das  hie\u00dfe jedoch in beiden F\u00e4llen: Ein Wort, das auf &#8222;<\/strong><em><strong>-er<\/strong><\/em><strong>&#8220; endet und f\u00fcr etwas steht, was in mehreren Sexus existiert, ist grunds\u00e4tzlich mit dem Sexus &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; markiert, da die weiblich-movierende Endung fehlt!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">3. Die m\u00e4nnlich-movierende Suffigierung <\/h4>\n\n\n\n<p>Was in dieser Diskussion und der Argumentation (u.a. von Herrn Prof. Eisenberg) immer wieder au\u00dfer Acht gelassen wird, ist die Tatsache, dass es auch geschlechtszuweise Suffixe f\u00fcr m\u00e4nnliche Individuen gibt! Hierauf will ich in zwei Punkten eingehen, die zugleich die Bedeutung der weiblichen Endung &#8222;<em>-in<\/em>&#8220; verdeutlichen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Das h\u00e4ufigste regelm\u00e4\u00dfige m\u00e4nnlich movierende Suffix (abgesehen von Wortneubildungen) ist, und  jetzt bitte alle festhalten: &#8222;<em>-r<\/em>&#8220; . Man findet es in Worten wie &#8222;<em>der Hexe-r<\/em>&#8220; (abgeleitet von &#8222;die Hexe&#8220;) oder &#8222;der <em>Witwe-r<\/em>&#8220; (von &#8222;die Witwe&#8220;). <strong>In beiden F\u00e4llen bedeutet das  Wortende &#8222;<\/strong><em><strong>-er<\/strong><\/em><strong>&#8220; (Kombination &#8222;<em>e<\/em>&#8220; des Wortstammendes mit dem Suffix &#8222;<em>-r<\/em>&#8222;) somit, dass ein weibliches Wort in ein m\u00e4nnliches flektiert wurde. <\/strong>Zufall? Ausnahmeerscheinung? M\u00f6glich, da diese Form der Suffigierung kaum produktiv ist <sup class='footnote'><a href='#marker-82-2' id='markerref-82-2' onclick='return footnotation_show(82)'>2<\/a><\/sup>  [das hei\u00dft \u00fcbrigens, dass es sie kaum gibt; eine Erkl\u00e4rung hierf\u00fcr biete ich unter 4. an]. In meinen Augen ist es jedoch eher ein weiterer Beweis daf\u00fcr, dass derartige Bezeichnungen, die auf &#8222;<em>-er<\/em>&#8220; enden, grunds\u00e4tzlich auf ein maskulines Sexus verweisen.<\/li><li>Nun wird es ganz offensichtlich: Einen Mann, der Zauber anwendet, nennt man &#8222;Zauberer&#8220;. Das Wort wird so gebildet, dass an den Stamm &#8222;<em>zauber-<\/em>&#8220; (ob Verbstamm oder Nominalstamm, lassen wir an dieser Stelle au\u00dfer Betracht) das Nominalisierungssuffix &#8222;<em>-er<\/em>&#8220; angeh\u00e4ngt wird. Folgt man der Argumentation von Prof. Dr. Eisenberg, w\u00e4re das Wort &#8222;Zauberer&#8220; als generisches Maskulinum ungeschlechtlich, kann aber durch Anh\u00e4ngen des weiblichen Suffix &#8222;<em>-in<\/em>&#8220; in eine weibliche Form \u00fcberf\u00fchrt werden. Diese Wortbildung funktioniert allerdings nicht, das Wort &#8222;Zauberer-in&#8220; gibt es im Deutschen nicht &#8211; man nennt diese Figur &#8222;Zauber-in&#8220;.  Das gleiche Wortbildungsschema gilt f\u00fcr \u00e4hnliche Bezeichnungen wie &#8222;K\u00e4mmer-in&#8220; (vs. &#8222;K\u00e4mmer-er&#8220;) oder &#8222;F\u00f6rder-in&#8220; (vs. &#8222;F\u00f6rder-er&#8220;). Warum wird in diesen Bildungen auf das Nominalisierungssuffix &#8222;<em>-er-<\/em>&#8220; verzichtet? Die Grammatiken sprechen in solchen F\u00e4llen davon, dass eines der beiden &#8222;<em>-er-<\/em>&#8220; (!) schlicht gestrichen (!!) wird<sup class='footnote'><a href='#marker-82-3' id='markerref-82-3' onclick='return footnotation_show(82)'>3<\/a><\/sup> &#8211; aber auch hierf\u00fcr m\u00fcsste es einen Grund geben. F\u00fcr mich naheliegend: <strong>Das Nominalisierungsuffix &#8222;<em>-er-<\/em>&#8220; als Nominalisierung zu einem Stamm, der auf &#8222;<em>-er<\/em>&#8220; endet, wird in einer Bezeichnung f\u00fcr eine weibliche Person nicht ben\u00f6tigt, da das Suffix &#8222;<em>-in<\/em>&#8220; bereits die Nominalisierung<\/strong> <strong>beinhaltet ! <\/strong>[Dies kennt man \u00fcbrigens aus Dialekten wie dem Saarl\u00e4ndischen, wo bspw. an den Verbstamm &#8222;<em>lehr<\/em>&#8220; die weibliche Endung &#8222;<em>-ing<\/em>&#8220; angeh\u00e4ngt wird und so das Wort &#8222;Lehring&#8220; (saarl\u00e4ndisch f\u00fcr &#8222;Lehrerin&#8220;) gebildet wird &#8211; und nicht der Umweg \u00fcber das Nominalisierungssuffix &#8222;<em>-er-<\/em>&#8220; gegangen wird!<sup class='footnote'><a href='#marker-82-4' id='markerref-82-4' onclick='return footnotation_show(82)'>4<\/a><\/sup>. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Folglich  wird die Endung &#8222;<em>-in<\/em>&#8220; ben\u00f6tigt, um ein weibliches Nomen zu bilden, und die Endung &#8222;<em>-er<\/em>&#8220; (oder &#8222;<em>-r<\/em>&#8220; , wenn der Stamm auf &#8222;e&#8220; endet) wird ben\u00f6tigt, um ein m\u00e4nnliches Nomen zu bilden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">4. Exkurs: Familienbezeichnungen in fr\u00fcheren Zeiten<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Erkenntnis, dass es sich sowohl bei &#8222;<em>-er-<\/em>&#8220; , als auch bei &#8222;<em>-in<\/em>&#8220; um movierende Suffixe handelt, l\u00e4sst sich auch kulturhistorisch erkl\u00e4ren.  Das geschechtsspezifische Suffix &#8222;<em>-in<\/em>&#8220; ist n\u00e4mlich deutlich sp\u00e4ter entstanden als die Worte, an die es angeh\u00e4ngt wurde.  Hier liegt der Bezug zur im Mittelalter aufgekommenen Notwendigkeit nahe, Familienbez\u00fcge zu verdeutlichen. So wurden M\u00e4nner damals sehr h\u00e4ufig nach ihrer T\u00e4tigkeit bezeichnet (M\u00fcller, Schneider, Meier, Bauer,&#8230;), wobei die Bezeichnung f\u00fcr die T\u00e4tigkeit, also das Verb bereits vor der Berufsbezeichnung existierte (diese Annahme ist eine Grundlage der Wortbildungstheorie). Die Bezeichnung f\u00fcr die Ehefrau und Nachkommen der M\u00e4nner wurde im Deutschen fast ausschlie\u00dflich patronymisch gebildet, als in Bezugnahme auf den Mann.<sup class='footnote'><a href='#marker-82-5' id='markerref-82-5' onclick='return footnotation_show(82)'>5<\/a><\/sup> Die Gesellschaft war paternalistisch organisiert, der Mann war &#8222;der Herr im Haus&#8220;, hatte weitgehende Befugnisse sogar gegen\u00fcber der Ehefrau und war somit f\u00fcr Dritte stets die einzige Ansprechperson. Folglich war es wichtig, dass ihm ein eindeutiger Name zugewiesen wurde, z.B. &#8222;Jan, der M\u00fcller&#8220;. Meine Vermutung ist, dass sich daher die meisten Berufsbezeichnungen auf &#8222;<em>-er<\/em>&#8220; ergeben &#8211; eben weil es kaum ausschlie\u00dfliche Frauenberufe gab und die somit eine weibliche Bezeichnung ben\u00f6tigten (z.B. &#8222;die Amme&#8220;)<sup class='footnote'><a href='#marker-82-6' id='markerref-82-6' onclick='return footnotation_show(82)'>6<\/a><\/sup>.<strong> Insbesondere im S\u00fcddeutschen setzte sich in der Folge durch, dass Ehefrauen mit dem Namen ihres Mannes bezeichnet wurden, an den ein &#8222;<em>-in<\/em>&#8220; angeh\u00e4ngt wurde (Bsp.: allemannisch <\/strong><em><strong>Schnideri(n<\/strong><\/em><strong>) -&gt; &#8222;Ehefrau des Schneiders&#8220;).<\/strong><sup class='footnote'><a href='#marker-82-7' id='markerref-82-7' onclick='return footnotation_show(82)'>7<\/a><\/sup>  <br><strong>Zur\u00fcckweisend auf die sprachwissenschaftliche Erkenntnis bedeutet dies, dass der Wortbestandteil, an den das weibliche Suffix &#8222;<em>-in<\/em>&#8220; in weiblichen Namen angeh\u00e4ngt wurde, immer mit dem Sexus &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; markiert war. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">5. Fazit<br><\/h4>\n\n\n\n<p>1. Das Suffix &#8222;<em>-er<\/em>&#8220; ist sowohl Nominalisierungssuffix, als auch movierendes Suffix. Es bildet, angeh\u00e4ngt  an einen Verbstamm, die Bezeichnung f\u00fcr ein <strong>m\u00e4nnliches<\/strong> Individuum, das die im Verbstamm genannten T\u00e4tigkeit aus\u00fcbt!  <br>2. Das Suffix &#8222;<em>-in<\/em>&#8220; ist sowohl Nominalisierungssuffix, als auch movierendes Suffix, denn es bildet, angeh\u00e4ngt  an einen Verbstamm, die Bezeichnung f\u00fcr ein <strong>weibliches<\/strong> Individuum, das die im Verbstamm  genannten T\u00e4tigkeit aus\u00fcbt!  <br>3. Ein generisches Maskulinum tr\u00e4gt somit bei W\u00f6rtern, die auf &#8222;<em>-er<\/em>&#8220; enden, immer das Sexus &#8222;maskulin&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gibt somit eindeutig einen Zusammenhang zwischen dem grammatischen und dem biologischen Geschlecht bei Berufs- oder T\u00e4tigkeitsbezeichnungen!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p> P.S.: Ich will nicht die Existenz eines &#8222;generischen Maskulinums&#8220; leugnen, und auch nicht seine potenzielle Sinnhaftigkeit. Mein Anliegen ist vielmehr, die herrschenden Argumente zu analysieren und ggf. zu erg\u00e4nzen oder kritisieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Zwischenzeitlich habe ich einen Nachtrag zu diesem Artikel geschrieben. <a href=\"http:\/\/whataboutblog.de\/?p=160\">Er ist unter diesem Link erreichbar.<\/a><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Text ver\u00f6ffentlicht unter <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/\" target=\"_blank\">Lizenz CC BY-SA 4.0<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>Bildquelle: <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"pixabay (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/illustrations\/deutsch-m%C3%A4nnchen-3d-model-2512008\/\" target=\"_blank\">pixabay<\/a><\/em>, <em><a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/service\/license\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Pixabay Lizenz (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Pixabay Lizenz<\/a><\/em><\/p>\n\n\n<div class='footnotes' id='footnotes-82'><div class='footnotedivider'><\/div><ol><li id='marker-82-1'> <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Movierung (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Movierung\" target=\"_blank\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Movierung<\/a>. <span class='returnkey'><a href='#markerref-82-1'>&#8629;<\/a><\/span><\/li><li id='marker-82-2'> <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Movierung#Movierung_von_weiblich_zu_m%C3%A4nnlich\" target=\"_blank\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Movierung#Movierung_von_weiblich_zu_m%C3%A4nnlic<\/a>h. <span class='returnkey'><a href='#markerref-82-2'>&#8629;<\/a><\/span><\/li><li id='marker-82-3'> <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/www.canoo.net\/services\/WordformationRules\/Derivation\/To-N\/Suffixe\/in-dt.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.canoo.net\/services\/WordformationRules\/Derivation\/To-N\/Suffixe\/in-dt.html<\/a>. <span class='returnkey'><a href='#markerref-82-3'>&#8629;<\/a><\/span><\/li><li id='marker-82-4'> Braun, E.; M\u00fcller, R. W.: W\u00f6rterverzeichnis der Quierschieder Mundart. In: M\u00fcller, R. W.; Staerk, D. (Hrsg.): Quierschied. Die Gemeinde im Saarkohlenwald. Quierschied 1998, S. 912. <span class='returnkey'><a href='#markerref-82-4'>&#8629;<\/a><\/span><\/li><li id='marker-82-5'> <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Patronym#Deutsch (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Patronym#Deutsch\" target=\"_blank\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Patronym#Deutsch<\/a>. <span class='returnkey'><a href='#markerref-82-5'>&#8629;<\/a><\/span><\/li><li id='marker-82-6'> <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"\ufffchttps:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frauenberuf#Mittelalte (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frauenberuf#Mittelalter\" target=\"_blank\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Frauenberuf#Mittelalte<\/a>r. <span class='returnkey'><a href='#markerref-82-6'>&#8629;<\/a><\/span><\/li><li id='marker-82-7'><strong> <\/strong><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Familiennamen#Weibliche_Endung (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Familiennamen#Weibliche_Endung\" target=\"_blank\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsche_Familiennamen#Weibliche_Endung<\/a>. <span class='returnkey'><a href='#markerref-82-7'>&#8629;<\/a><\/span><\/li><\/ol><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Muss die deutsche Sprache gendergerechter werden?&#8220; Diese Diskussion kursiert uns nun schon seit einigen Jahren, und genauso lange stehen sich (wie in jeder derartigen Diskussion) die Hardliner auf der einen wie auf der anderen Seite scheinbar unvers\u00f6hnlich gegen. Alle sehen sich im Recht und f\u00fchren zu ihrer Unterst\u00fctzung die unterschiedlichsten Begr\u00fcndungen an. Die neueste Argumentationskette der Gegner einer Anpassung der deutschen Sprache bezieht sich auf den &#8211; in ihren Augen nicht vorhandenen &#8211; Zusammenhang zwischen dem grammatischen Geschlecht eines Wortes und dem biologischen Geschlecht des Bezugsindividuums. Auf dieses Argument m\u00f6chte ich mit diesem Beitrag eingehen und meinen Standpunkt erl\u00e4utern. 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