Nicht zuletzt dank Donald Trump ist der Begriff Fake News zwar aktuell in aller Munde, aber sie sind bei Weitem kein „modernes“ Phänomen (das zu behaupten, wäre im Grunde seinerseits eine Fake News 😉 ). Fakt ist: Das zielgerichtete Weiterleiten von Falschinformationen ist ganz natürliche Taktik, sich Vorteile zu verschaffen, die der Mensch der Natur abgeschaut hat! Ich denke da beispielsweise an Orchideen, die Botenstoffe von Blattläusen imitieren, um Insekten anzulocken und somit die Bestäubung zu fördern, oder an ungiftige Nattern, die die Hautzeichnung der hochgiftigen Korallenotter nachahmen. Orchidee und Natter geben so an ihre Umwelt (und im Speziellen: an ihre Adressaten) falsche Informationen weiter, um sich einen Vorteil im Kampf um das Überleben auf unserem Planeten zu verschaffen. Es ist daher naheliegend, dass auch der Mensch seit jeher diese Möglichkeit des Wettbewerbsvorteils genutzt hat. Spätestens seit er sich in Konkurrenz mit Artgenossen um Nahrung und Fortpflanzung befindet, wird er Fake News eingesetzt haben, und seit er die Fähigkeit des Lügens erworben hat, kann er Falschinformationen auch direkt-kommunikativ weiterleiten. Dieser Beitrag soll dies anhand historischer Beispiele nachweisen.

Kulturelle Zeugnisse über Fake News lassen sich bis in die Antike zurückverfolgen: Der ägyptische Pharao Ramses II. ließ sich beispielsweise nach der Schlacht bei Kadesch (1274 v. Chr.) auf Wandbildern als glorreicher Sieger darstellen, obgleich sein Kriegszug gegen die Hethiter zuvor weitgehend  erfoglos geblieben war.1 Etwa um das Jahr 17 n. Chr. wurde der römische Feldherr Germanicus nach einem Kriegszug gegen germanische Stämme auf Goldmünzen als Sieger inszeniert, wohingegen Quellen jedoch belegen, dass sein Feldzug kaum Erfolge brachte und dieser schließlich von Kaiser Tiberius aufgrund der hohen Verlustzahlen abgebrochen wurde.2 Wahrscheinlich war es innenpolitisch jedoch erforderlich, den Römern nach der katastrophalen Varusschlacht (9 n. Chr.) diesen Kriegszug als Erfolg zu präsentieren. Diese Form der Propaganda war insbesondere in und nach Kriegszeiten bevorzugtes Mittel staatlich beeinflusster Berichterstattung. Man denke hierbei an die Medienkampagnen während des 1. Weltkriegs3 und natürlich in allen Kriegen danach.

Fake News gab es aber stets nicht nur in Form von Abbildungen, sondern natürlich auch in Schriftform. Etwa seit dem 8. Jahrhundert führte die römische Kirche die Konstantinische Schenkung als Nachweis an, dass ihr in den Jahren 315/17 von Kaiser Konstantin die geistige Herrschaft über Rom, Italien und die ganze Welt übertragen wurde. Dies brachte dem Papstes in Rom spätestens ab dem 8 Jahrhundert in der Konkurrenzsituation mit dem oströmischen Kaiser einen entscheidenden Vorteil und trug maßgeblich zum Erstarken seiner Stellung in der europäischen Welt bei. Dass es sich bei diesem Dokument eine Fälschung handelte, war den Gelehrten seit dem 15. Jahrhundert bekannt, wurde aber von der Kirche erst im 18. Jahrhundert eingeräumt.4 Der rechtlich legitimierte Machtanspruch des Papstes über die Christen der Welt – eine Fake News, die immense Folgen für die Menschen des Mittelalters hatte und bis heute nachwirkt!

Dieses „Erschaffen von Fakten“ wurde in zahlreichen anderen Kontexten ebenfalls eingesetzt. Hierzu zählt auch Bismarcks „Emser Depesche“ – ein königliches Schreiben an ihn, welches er verkürzt und in schmählichem Ton gegenüber dem französischen Botschafter formuliert an die Presse weitergegeben hatte. Historiker sind der Ansicht, dass diese Brüskierung der französischen Regierung keine Wahl ließ, als im Streit um die spanische Thronfolge dem Deutsch Reich den Krieg zu erklären.5
Aber natürlich nutzte auch Adolf Hitler die Macht von Fake News. Der von ihn angeführte polnische Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz als letzten Auslöser für einen Krieg gegen Polen war in Wahrheit ein fingiertes Tarnmanöver der SS, um eben jenen Kriegsgrund zu schaffen. Diese Fake News führt somit zum Ausbruch des 2. Weltkriegs, infolge dessen bis zu 80 Millionen Menschen ihr Leben verloren und viele weitere Millionen unter den Folgen zu leiden hatten.

Gerade im Dritten Reich hatten Fake News Hochkonjunktur, insbesondere solche gegen unerwünschte Minderheiten. Haltlose Gerüchte und Vorurteile über jüdische Mitmenschen wurden verbreitet, womit schließlich ihre Entrechtung, Misshandlung und millionenfache Emordnung rechtfertigt wurde.  Weiteren Minoritäten wie Sinti und Roma sowie Homosexuellen widerfuhr das gleiche Schicksal. Hier standen die Nazis ideologisch jedoch durchaus in einer Tradition zum Mittelalter und sogar zur Antike. Juden (und Vertretern anderer Minderheitsreligionen) wurde seit jeher unterstellt, mittels geheimer Praktiken die Mehrheit zu sabotieren. Christen warf man noch bis ins 4. Jahrhundert vor, rituelle Kindermorde durchzuführen, wofür es zwar niemals handfeste Beweise gab, womit man jedoch die Bevölkerung gegen sie mobilisieren konnten. Folgen waren die zahlreichen Christenverfolgungen im Römischen Reich. In der Zeit der großen Seuchen während des Mittelalters unterstellte man Juden, die örtlichen Brunnen vergiftet und so die Menschen krank gemacht zu haben, was wiederum zu Judenverfolgungen führte.6 Beweise hierfür gab es keine, aber diese Fake News reichten, um jüdischen Mitmenschen großen Unrecht widerfahren zu lassen. Vermeintliche Hexen wurden später beschuldigt, sich mit dem Teufel eingelassen haben, um so übernatürliche Kräfte zu erhalten und in der Folge schuld an einer Jahrhunderte andauernden Schlechtwetterphase zu sein.7 Ganz grotesk ging es während der Revolutionsjahre in Frankreich zu: Zunächst wurde im Jahr 1789 die „Grande Peur“ gestreut, dass sich der Adel auf dem Land an der einfachen Bevölkerung wegen der Vorgänge in der Revolution rächen werde. Dies führte zu zahlreichen Bauernaufständen, obgleich es keinerlei offensichtliche Äußerungen von Vertretern des Adels diesbezüglich gab.8 Während der Herrschaft der Jakobiner 1794 denunzierten sich tausende Pariser Bürger sich gegenseitig antirevolutionärer Gedanken, um diesen Verdacht von sich selbst abzuwenden. Dies war eine Folge des Gesetzes über die Verdächtigen, welches schwere Strafen für Antirevolutionäre vorsah. Auch hier: Verdächtigungen ohne handfeste Beweise, dafür mit großer Wahrscheinlichkeit in vielen Fällen schlicht Fake News, die zahlreiche Tote nach sich zogen. Letztlich ist auch die berüchtigte „Dolchstoßlegende“ eine solche Fake News, mittels derer kommunistischen, sozialdemokratischen und liberalen Kräften in Deutschland eine Mitschuld an der Niederlage im 1. Weltkrieg andichteten wurde, was deren Unterdrückung und Verfolgung nach sich zog. Und auch im Dritten Reich wurden politische Gegner aufgrund falscher Verdächtigungen und Falschmeldungen zu Hunderttausenden ermordet.

Fazit: Fake News sind kein neues Phänomen, vielmehr sind viele entscheidende Entwicklungen der Menschheitsgeschichte auf Fake News zurückzuführen. Von der Anitike bis zur Moderne wurden gezielte Falschnachrichten immer wieder eingesetzt, um Ergebnisse vorzutäuschen, Entwicklungen zu begünstigen oder schlicht: um Fakten im eigenen Sinne zu schaffen.

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Kategorien: DigitalesGeschichte

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